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Südwest Presse vom 06.03.2003 | ||||
KONZERT / Ausdrucksvoller Kammerchor "TonArt Ulm"Freudige Bekenntniskraft | ||||
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| Passionsmusik aus fünf Jahrhunderten sang der Projektchor "TonArt" in der Söflinger Christuskirche. Es gelang eine anrührende Musikstunde zur Fastenzeit. OLAF GÖÖCK Stephan Doormann, der das 2002 gegründete Kammerensemble "TonArt Ulm" in wenigen Jahren zu einem anspruchsvollen Vokalinstrument formte, dessen Klangkultur immer wieder überrascht, hatte für das Konzert in der Söflinger Christuskirche ein konzeptionell durchgearbeitetes Programm entworfen. Unter dem Zitat "Das ist je gewisslich wahr" aus der gleichnamigen Motette von Heinrich Schütz waren Gesänge von Dietrich Buxtehude bis Johannes Brahms versammelt. Absicht der Titelfolge war es, die beginnende Passions- oder Fastenzeit bis hin zum Kreuzestod Christi aus liturgischen, theologischen und individuellen Aspekten musikalisch und textlich zu begleiten. Das bekannte Kirchenlied "O Welt, ich muß dich lassen" von Heinrich Isaac (1450-1517) wirkte dabei wie eine Klammer. Zwischen die einzelnen Gesänge wurde jeweils eine Strophe des Liedes eingestreut, quasi als meditativer Wegweiser. Das ergab eine erstaunliche Homogenität der musikalischen und textlichen Inhalte. Nach dem Kyrie aus Buxtehudes Ordinarium erklang ein eigenwillig gesetztes Madrigal - "Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn" - des ehemaligen Thomaskantors Johann Hermann Schein, ein geistliches Lied, das sich schon der modernen Technik des Generalbass-Musizierens nähert. In Max Regers "Unser lieben Frauen Traum" und Wolfgang Amadeus Mozarts "Ave verum corpus" wurden andere Aspekte der Passionsbetrachtung hörbar, jeweils von völlig unterschiedlichen Standpunkten. Hier wurde in ganz besonderem Maße die Tiefe des religiösen Gefühls deutlich, die diese Liedkompositionen prägt, zumal der Kammerchor hier besonders differenziert sang und den ganzen Fundus seiner darstellerischen Fähigkeiten ausschöpfte. Sehr ausdrucksvoll dann Lennox Berkeleys "Ubi caritas et amor", eine Sequenz zur Fußwaschung am Gründonnerstag, in der sich die "unermessliche und rechtschaffene Freude" über die Liebe Christi Bahn bricht. Wunderschön gesungen, mit langem Atem und großem Wohllaut, Jan Dismas Zelenkas "Caligaverunt Oculi Mei" und Anton Bruckners "Christus factus est pro nobis", beides aus der Karfreitags-Liturgie entnommen und bei aller musikalischen Gegensätzlichkeit doch einig in ein und derselben Botschaft. Fließende Klangbewegung Am Ende dieser musikalischen Andachtsstunde standen zwei Motetten von Johannes Brahms und Heinrich Schütz. "Warum ist das Licht gegeben" fragt Brahms nach den Worten von Hiob 3 und antwortet mit Luthers Choral "Mit Fried und Freud ich fahr dahin, in Gottes Willen". Und Heinrich Schütz Motette "Das ist je gewisslich wahr", die als Muster reiner Polyphonie jeden Anhänger geistlicher Chormusik erfreut und zu den meistgesungenen Stücken des Komponisten zählt, beeindruckte mit der Bekenntniskraft, mit der das Bibelwort untermalt wird. Der stellenweise deklamatorisch akzentuierte Satz berührte durch seine elementaren Klangwirkungen. Klangwirkungen besonders origineller Art gelangen Andreas Weil an der Orgel mit einer eigenen Improvisation über den Choral "Herzliebster Jesu". Zuvor spielte er Johann Sebastian Bachs Orgelchoral "O Mensch, bewein dein Sünde groß", präzise und in schöner fließender Bewegung. Nach dem langen Beifall der Zuhörer, die trotz des starken Schneefalls am Samstagabend in die Söflinger Christuskirche gekommen waren, bedankte sich der Kammerchor "TonArt Ulm" noch mit einem sehr ausdrucksvollen Abendlied von Max Reger. | ||||
| Erscheinungsdatum: Montag 6.03.2006 Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/ SÜDWEST AKTIV - Copyright 2003 Südwest Presse Online-Dienste GmbH Alle Rechte vorbehalten! |
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