Trauer und Schmerz

Kammerchor "TonArt" Ulm bei der "Motette"

Minden (usk). Es ist November. Man merkt es nicht nur an fallenden Blättern und ungemütlichem Wetter; auch in Konzerten geht es anders zu. Trauer steht im Vordergrund, Schmerzensmusiken haben Konjunktur. Es ist die Zeit der Besinnung und des Nachdenkens.

Von Udo Stephan Köhne

Das Konzert mit dem Kammerchor TonArt Ulm zur "Motetten"-Reihe an St. Marien sprach so gesehen eine deutliche Sprache: Ein konsequent gestaltetes Programm lieferte das kleine Ensemble ab. Wenig Fröhlichkeit, dafür kräftige Überlänge und Begleitung durch Laute und Gambe (Friederike und Frank Baumgärtel) brachten die Süddeutschen in die Marienkirche mit.

Unter der suggestiven Leitung von Stephan Doormann standen die "Musikalischen Exequien" SWV 279-281 von Heinrich Schütz im Mittelpunkt. Allein über eine halbe Stunde lang arbeiteten sich die Sängerinnen und Sänger an diesem gewaltigen Opus ab. Mit wechselndem Erfolg allerdings, wie man feststellen muss. Manches hätte musikalisch besser ausgearbeitet sein können. Das Hauptproblem aber war, dass der Spannungsbogen nicht beibehalten werden konnte. Der Gefahr musikalischer Eintönigkeit entkam das Ensemble nicht, Schütz war schlichtweg eine Nummer zu groß für die ansonsten engagiert und mit stimmlich ansehnlicher Kultur agierenden Vokalisten.

Anderes kam mit mehr Wirkung daher. Die archaischen "Requiem"-Ausschnitte von Ildebrando Pizzetti wurden mit großer Intensität gestaltet, ebenso ein Stück von Henry Purcell. Maurice Durufles "Ubi caritas" op. 10,1 atmete den leicht melancholischen Sinn französischer Musik, Max Regers "O Tod, wie bitter bist du" op. 110,3 schließlich lebte vom Ausdruckswillen des Ensembles, das die Bitterkeit eindringlich ins Ohr der Zuhörer transportierte. Abrundung einer sehr eigenen Veranstaltung.

 

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Dokument erstellt am 06.11.2006 um 23:20:14 Uhr
Erscheinungsdatum 07.11.2006 | Ausgabe: MT